|
Auch auf meiner
diesjährigen Reise nach Niger plante ich einen Besuch unserer Schule in
Erough ein. Lange vor meiner Abreise überlegte ich, was ich den Kindern
mitnehmen könnte. Sollte es etwas Praktisches sein wie Unterhöschen,
Zahnbürsten o.ä.? Natürlich werden diese Dinge benötigt, aber ich entschloss
mich dann dazu, Malsachen (Aquarellmalstifte, Farbstifte, Pinsel etc.)
mitzunehmen, denn ich erinnerte mich an die hübschen Zeichnungen der
Kinder im vergangenen Jahr.

Und warum nicht auch
einmal etwas Süßes, etwas zum Schlecken mitnehmen? Gedacht, getan. Mit all
den Sachen entstand immerhin ein Gewicht von ca. 8 kg. Und das bei der
Airline, mit der ich nach Agadez fliegen wollte und die nur
15 kg Gepäck
überhaupt zuließ! Beim Einchecken in Paris erklärte ich, dass sich in diesem
bestimmten Gepäckstück Schulsachen für eine Nomadenschule in Niger befänden.
Und ich hatte Glück und wurde freundlich durchgewinkt. Das wäre teuer
geworden bei 10,-€ pro kg Übergewicht.
Mucksmäuschenstill
saßen die Kinder an ihren Bänken als ich all die Sachen auspackte und ihnen
zeigte. Auf Vorschlag des Lehrers Aghali Attefock verteilten wir
gleich die Süßigkeiten, die die Kinder ehrfürchtig mit beiden Händen in
Empfang nahmen und vorsichtig auf den Tisch legten, um die Schätze erst
einmal zu betrachten. Ich war ganz gerührt.
Die Schule umfasst
inzwischen 32 Kinder und es herrscht eine ziemliche Enge in dem
kleinen Schulraum, der hübsch mit Zeichnungen, Landkarten und Bildern
ausgeschmückt ist. Aghali unterrichtet in 3 Schichten. Und ich erinnerte
mich, dass meine Großmutter in eine Dorfschule gegangen ist und dort in
dieser Art unterrichtet worden ist. Sie schrieb mit 87 Jahren noch
fehlerfreie Briefe. Zum Abschluss sangen mir die Kinder ein
Lied.

Anschließend
besichtigten wir den Schulgarten, der von einem Gärtner betreut wird. Leider
kann nur ein Teil der vorhandenen Fläche genutzt werden, da die
solarbetriebene Pumpe nicht ausreicht, alles zu bewässern.
Eine Freundin von mir hatte mir 50,-€ mitgegeben. Ich sollte dafür etwas für
die Schule kaufen. Aber was kann man im Niger für die Schule kaufen? Mehr
Gepäck, wie oben beschrieben, konnte ich nicht mitnehmen. Irgendwann kam mir
die erlösende Idee, das Geld für die Anschaffung von Ziegen als Milch- und
Fleischlieferanten herzugeben. Aghali schrieb mir, dass er inzwischen drei
Ziegen angeschafft hat.
Den Abend verbrachte ich im Kreise von Aghali's Familie - er hat zwei kleine
Töchter - und noch anderen Familienangehörigen, wobei mir der
Verwandtschaftsgrad nicht ersichtlich war, aber ich habe das Gefühl, alle
sind dort irgendwie miteinander verwandt oder verschwägert.
So wunderbar es ist, dass die Nomaden inzwischen Vertrauen gefasst haben
und ihre Kinder in die Schule schicken, so groß ist natürlich nun die
finanzielle Herausforderung für den Verein. Ich möchte daher in diesem
Zusammenhang um Spenden bitten. Sie werden dringend benötigt, denn mit den
Mitgliedsbeiträgen allein ist der Erhalt der Schule nicht möglich.
|
|