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      Lebensmittelhilfe 2005 nach der Heuschrecken - Plage  
 

 und Neuigkeiten des Vereins: 

 

Sonntag, 7.August 2005

Die  zweite von uns bezahlte Hilfslieferung mit Lebensmitteln hat die Bedürftigen im nördlichen Air-Gebirge in der Republik Niger erreicht. So konnte ein kleiner Beitrag zur Bekämpfung der Hungersnot geleistet werden. Soweit uns bisher Nachrichten aus "unserem" Einsatzgebiet erreicht haben, sind wir nach wie vor die einzige ausländische Organisation, welche die Bemühungen der einheimischen ONG "Nomades d'Afrique" um Linderung der ärgsten Not finanziell unterstützt. Anfragen und Recherchen bei großen Hilfsorganisationen haben diesen  Sachverhalt bestätigt. Deren Hilfsmaßnahmen konzentrieren sich bisher auf den dichter besiedelten Süden des Landes, wo sich nach neuesten Medienberichten die Situation bereits verbessert hat. 

 

Dort können  viel mehr Menschen ohne logistische Probleme versorgt und die vorhandenen  Ressourcen effektiver eingesetzt werden. Die Situation ist also regional sehr unterschiedlich und wird in den Medien oft zu wenig differenziert dargestellt. Als  Ausnahme kann hier die Reportage in der FAZ vom 3. 8. d.J. gelten, die sich allerdings auch nur auf  Beispiele aus den südlicheren Regionen des Niger um Tahoua und Maradi beschränkt. Die hunderte von Kilometern weiter nördliche gelegenen Departements Agadez oder Arlit, zu deren Verwaltungsgebieten das schwer zugängliche Air-Gebirge mit seiner noch weitgehend nomadisch lebenden Bevölkerung gehört, kommen darin, wie in der gesamten bisherigen Berichterstattung, nicht vor.

 

Wir sind gefragt worden, weshalb von unserer Seite nicht schon früher ein Spendenaufruf ergangen ist. Das ist er! Im Oktober 2004 riefen wir anlässlich der Heuschreckenplage auf unserer Internetseite zu Spenden auf und wurden auch über private Kontakte in diesem Sinne aktiv. Ab der Tsunami-Katastrophe versiegte aber der Spendenzufluss. Immerhin konnten wir zwei Schulen mit diesen Mitteln den Beginn des neuen Schuljahres ermöglichen und die Ernährung aller Kinder für den Rest des Schuljahres sichern. Unsere deutsche Partnerorganisation "Parmed e.V.-medizinische Hilfe für die dritte Welt" hat, finanziert durch Spendeneinnahmen, die zur Bekämpfung der Folgen der Heuschreckenplage gesammelt wurden, im April über unsere nigrische Partnerorganisation 30 t Viehfutter bei den Tuareg-Nomaden verteilen lassen. Damit wurde einem kleinen Teil davon die Existenzgrundlage vorläufig gesichert.

 

Trotz internationaler Hilfe konnte im Niger wie in ganz West-Afrika der nahezu totale Ausfall der letzten Ernte nicht ausgeglichen werden, was angesichts der prekären Versorgungslage mit Nahrungsmitteln die großen Hilfsorganisationen auf den Plan rief..

 

Der über das normale Maß weit hinausgehende Mangel an Nahrungsmitteln und Viehfutter in dem Gebiet, wo wir seit fünf Jahren Entwicklungsprojekte unterstützen, zeichnete sich in kärglich bewachsenen Weidegebieten und  dürftig bestellten Oasengärten, beides eine Folge der Heuschreckenplage, schon im Winter ab. Dieser Mangel kann sich in den nächsten Monaten zu einer noch größeren Katastrophe auswachsen, vor allem wenn eine Versorgung von außen weiter auf sich warten lässt. Nach allen uns bisher vorliegenden Informationen steht das für die Nomadengebiete im Norden der Republik Niger zu befürchten, die bisher weder von der eigenen Regierung, noch von international operierenden Hilfsorganisationen mit Lieferungen versorgt werden  (Vergleichen Sie dazu beispielsweise die Internetseiten vom DRK und der DWHH!).

 

Nomaden müssen von jeher das Grundnahrungsmittel Hirse mit dem Geld erwerben, das sie durch den Verkauf einzelner Tiere einnehmen. Vorratshaltung können Nomaden bei ihrer Einkommenssituation nicht betreiben. Diese ist noch weit schlechter, als die durchschnittliche der Gesamtbevölkerung in der Republik Niger. Dieses Land gehört nach "Human Development Reports" zu den allerärmsten Länder der Welt und nimmt knapp vor Burkina Faso den vorletzten Platz in der weltweiten Armutsskala ein. Demnach beträgt das durchschnittliche Bruttosozialprodukt pro Kopf gerade mal  51,00 Euro im Monat (UNO-Statistik 2002). Diese Zahl bezieht sich auf die Gesamtleistung der nationalen Volkswirtschaft und kann nur als Richtzahl für die Armut der Bevölkerung insgesamt dienen. Über die jeweilige individuelle Situation sagt sie wenig aus. Sicher ist jedenfalls, dass ein Nomade nur über ein äußerst geringes Einkommen verfügt, das in guten Zeiten gerade mal ausreicht, das Existenzminimum zu sichern. Dabei kommt es jedes Jahr im Sommer vor der Regenzeit, wenn die Weiden abgegrast sind, zur Mangelversorgung. Diese kann normalerweise durch den Verkauf von Tieren, mit dessen Erlös Hirse gekauft wird, einigermaßen überbrückt werden. Hirse ist auch für Nomaden, die nicht allein von Milch und Fleisch leben können, das Grundnahrungsmittel schlechthin. Ein Sack mit 50 kg reicht je nach Familiengröße ein bis zwei Wochen. Die letztjährige Ernte ist aber wegen der Heuschreckenplage, von der auch die Weidegebiete der Viehzüchter nicht verschont blieben, ausgefallen. Als Folge kletterte der Preis für einen Sack Hirse von 12,00 Euro (Oktober 2004) auf 46,00 Euro (Juni 2005). Umgekehrt sind aber die Preise für die abgemagerten Tiere stark gefallen. Noch im Winter konnte für eine gutgenährte Ziege ein Preis von 15,00 Euro erlöst werden. Bei dem derzeitigen schlechten Zustand der Tiere müssen diese aber weit billiger angeboten werden, vorausgesetzt, sie erreichen überhaupt die entfernten Märkte. Viele Tiere sind schon wegen Futtermangels verendet, der Rest ist meist in einem erbärmlichen Zustand. Die Einkommenssituation einer Nomadenfamilie hat sich also aufgrund dieser immer weiter auseinanderklaffenden Preisschere radikal verschlechtert. Die Folgen sind  Mangel- und Unterernährung durch Hunger. Daran sind, wie unsere Gewährsleute uns melden, in unserem Einsatzgebiet bereits Menschen gestorben. Frühestens nach der nächsten Hirseernte im Oktober kann sich die Ernährungssituation im Land insgesamt verbessern. Die Viehbestände der Nomaden werden sich aber selbst nach einer hoffentlich ergiebigen Regenzeit, die im Norden des Landes noch auf sich warten lässt, erst nach Monaten und Jahren erholt haben. Somit besteht die akute Gefahr, dass sich die derzeitige Situation zu einer Hungerkatastrophe größten Ausmaßes entwickelt (Vrgl. Scheen, FAZ v. 3. 8. d.J.). Dann könnte sich wiederholen, was bei der Dürrekatastrophe Mitte der 80-er Jahre geschehen ist. Die überlebenden Nomaden flohen zu Zehntausenden, ihre Tiere und ihr weniges Hab und Gut zurücklassend, aus dem Air-Gebirge  und vegetierten anschließend jahrelang unter elenden Umständen in Notlagern. Dem wollen wir, so gut wir können, entgegenwirken.

 

Mit dem Slogan "Jedes Leben ist wertvoll" wirbt eine Hilfsorganisation um Spenden. Wie wahr! Doch gilt dieser Satz  nur eingeschränkt für die Nomaden in den Nordregionen Nigers und Malis, die weder im Blickfeld der Medien stehen, noch bis jetzt von den Hilfsmaßnahmen großer Organisationen erreicht werden.

 

Deshalb werden wir nach unseren Möglichkeiten auch weiter helfen. Dafür hat uns die Firma "Sievering Nutzfahrzeuge" aus Erwitte (NRW) Hilfe in Aussicht gestellt. Sie bestünde u.a. in einer größeren Lieferung von Reis und Mais als Sachspende, die bereits in Togo reserviert ist. Auch die Transporte mit großen LKW  in die Bestimmungsregionen würde die genannte Firma übernehmen. Die Lebensmittel sollen in die nördlichen Tuareg-Gebiete in Mali und in Niger gebracht werden. Voraussetzung für diese Hilfstransporte sind allerdings Zollbefreiungen von den Regierungen der Durchfahrts- und Zielländer, die wir hoffentlich auch bekommen werden, nachdem uns in unserem Vorhaben auch die deutsche Botschaft in Niamey unterstützt. Sollte dies gegeben sein, könnten die ersten 50 t schon übernächste Woche auf den Weg gebracht werden. Den Transport sowie die Verteilung im Niger wird dann unser Vereinsmitglied, Herr Dipl. Ing. Eckart Seybold, begleiten und in Zusammenarbeit mit unserer einheimischen Partnerorganisation vor Ort organisieren. Auf dieser direkten Kontrolle besteht unser potentieller Spender. Damit soll nicht nur ein Zugriff durch lokale Behörden vermieden, sondern auch garantiert sein, dass die Lieferungen vollständig die Menschen erreichen, für die sie gedacht sind.

 

Ob von uns vorher noch weitere Hilfsmaßnahmen finanziert werden können, hängt vom Spendeneingang ab. Unsere bisher getätigten Ausgaben konnten bereits durch die Zuwendungen unserer Spender voll abgedeckt werden. Dafür allen herzlichen Dank! Für eine weitere Lieferung, die wir noch vor dem erhofften Eintreffen der in Aussicht gestellten Lebensmittel zu den Hilfsbedürftigen bringen lassen wollen, reichen unsere derzeitigen Mittel aber noch nicht aus. Deshalb mein Dank und meine Bitte: Erster für die bereits geleisteten Zahlungen, letztere um Spenden! Appellieren Sie auch an Freunde, Verwandte und Bekannte! Jeder Euro zählt!

 

Ich soll allen guten Menschen, die durch Spenden unseren notleidenden Freunden helfen, deren großen Dank weitergeben! Tanemerd!

Das tue ich sehr gerne mit freundlichen Grüßen!

 

gez. Helmut Mayer (1.Vorsitzender)

 


 

31.07.2005

Die erste Hilfslieferung mit Lebensmitteln hat die Nomaden der Kel Tedele IV im nördlichen Air-Gebirge erreicht! Damit konnte vorerst die ärgste Not bei einem Teil der Bevölkerung,  wenigstens vorläufig gelindert werden. Etwa die gleiche Anzahl wartet aber noch auf unsere Hilfe!

Unsere Bitte um Unterstützung durch andere Organisationen blieb leider noch ohne konkrete Zusagen, da deren Hilfsmaßnahmen sich auf südlichere Gebiete konzentrieren. Dort können mehr Menschen ohne logistische Probleme  versorgt werden und die vorhandenen  Ressourcen sind ohnehin begrenzt . Der Einsatz des unserer Organisation von Daimler-Chrysler gespendeten und an unsere Partnerorganisation "Nomades d' Afrique" 0NG übergebenen 10-Allrad-Lkws erweist sich jetzt als Segen! Es ist sicher, dass damit jetzt schon Menschenleben gerettet werden konnten. Nicht nur durch die Verteilung von Hilfsgütern, sondern auch durch den schnellen Transport Schwerkranker in das Hospital nach Arlit. Bisher sind wir die einzige Organisation, die den notleidenden Menschen in den abgelegenen und gebirgigen Regionen im Norden der Republik Niger hilft, auch  medizinisch. Der einheimische Arzt Dr. Achmed Dangana aus Agadez ist in unserem Auftrag schon seit zwei Wochen bei den betroffenen Menschen unterwegs und kann sie dank einer umfangreichen Medikamenten-Spende von "Parmed e.V."-medizinische Hilfe für die dritte Welt, einer unserer Partnerorganisationen,  kostenlos behandeln. An dem Transport dieser Spende Ende letzten Jahres war neben Cargo e.V. auch unsere Organisation beteiligt.

Von der von uns finanzierten Lebensmittel-Lieferung wurden bisher die Nomaden in der Gegend von Erough, Tadek und Tesarseit nordwestlich von Iferouane erreicht.

 

Den notleidenden Menschen um Faris, Zagado und Tchintoulous im weiter entfernten östlichen Randbereich des Air-Gebirges soll als Nächstes geholfen werden. Dafür benötigen wir weitere finanzielle Unterstützung! Aus den bisher eingegangenen Geldern, für die wir allen unseren Spendern ganz herzlich danken, konnte bereits der erste Hilfstransport bezahlt werden. Aber weitere, schnelle Unterstützung, auf die wir mit den betroffenen Menschen dringend hoffen, ist unbedingt nötig.