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 Projekte abgeschlossen:

 

  LKW nach Agadez

 

Reisebericht - Überführung LKW DB 1838 AK nach Agadez Niger  

06.02.2004 - 07.03.2004

 

Durch Eckart Seybold (ab Hamburg )
Andi Schreck (Cotonou -Agadez)
Helmut Schreck (ab Cotonou )



Unsere Reise ist schon wieder Geschichte. Sie verbrämt sich in Erzählungen.
Andi war 3 Tage zu Hause als sein 2ter Sohn zur Welt kam.
 

 

 


Auf kleine Anregung hin hat Eckart Seybold  mit riesigem Engagement erreicht, dass Daimler Chrysler (DC) an unseren Verein einen LKW gespendet hat! Die Firmen ZF, Michelin, Doll, halfen zusätzlich!

Nachdem der LKW Transport leider nicht durch Algerien, sondern mit dem Schiff stattfindet, sprechen wir die GTZ hinsichtlich Überführung an. Deren Genehmigungsverfahren dauert für unsere Termine jedoch zu lange. Wenn wir Ende Februar nicht unten sind, kommt eine anschliessende Air - Reise aus Temperaturgründen nicht mehr in Frage.
So hat Eckart tatsächlich erreicht, dass DC die Transportkosten auch bis in den Zielhafen Cotonou (Vorschlag DC) übernimmt. Zusätzlich hat Eckart sich dazu entschlossen mit dem Schiff mitzufahren. Das reduziert das Diebstahlrisiko sicher erheblich.

 

Die Fa. Grimaldi Reederei will dann kurz vor Abfahrt den LKW noch auf ein anderes Schiff verlegen. Eckart wehrt sich so kräftig, dass dies wieder rückgängig gemacht wird. Er wäre sonst getrennt vom LKW auf einem anderen Schiff gefahren. Eckart steigt in Hamburg zu, nimmt in Antwerpen das Auto in Empfang: siehe da, die Plane ist aufgeschnitten. Es fehlen bereits diverse Sachen - trotz Absperrung und Beleuchtung des Platzes.

Das Meer strapaziert den Schiffspassagier dann auch noch mit Windstärke 10.

Am 25.2 fliegen Andi und ich nach Cotonou, um Eckart mit dem Auto in Empfang zu nehmen.
Am 27.2. abends um 18.00 ruft Eckart uns von Lomé aus an: komme morgen um 6.00 in Cotonou an!).
Um 21.00 ruft er wieder an: Der Kapitän hat mich eben informiert, dass die Schiffsroute geändert wird. Vor Cotonou wird nach Lagos und in andere Häfen gefahren. Erst in 12 Tagen kommt das Schiff in Cotonou an!

Was tun? Runter mit dem Auto samt Mann: Ohne Visum, ohne Zollpapiere für Lomé !



Andi und ich rennen danach 2 ½ Tage zu verschiedenen Ämtern, zur DC - Vertretung zu Transiteuren, um die Papiere für die Passage Togo nach Benin vorzubereiten.
(Mein Handy Vertrag gilt da unten nicht, muss eine andere SIM- Karte Kaufen)

Eckart muss das Fahrzeug aus der Zollzone bringen, es unterstellen und bewachen lassen und für sich selbst ein Togo - Visum besorgen. Da schwindet unsere Reisekasse drastisch, er muss sich Geld leihen!
Otis ein Transisteur und Barry - beide von DC empfohlen - helfen mit Engagement!

Wir können uns zudem nicht treffen, da unser Benin - Visum nur einen einmaligen Eintritt ins Land erlaubt. - Zum Glück haben wir Jean - Babtiste, den Dolmetscher in Benin, der uns ganz toll unterstützt. Er muss zu Absprachen 2-mal über die Grenze nach Togo- 100 km von Cotonou - reisen. Wir warten jeweils in dem "Tollhaus " vor der Grenze. Selbst an der Grenze kämpfen Eckart, Otis und Barry dann noch 1 ½ Tage.

Am Donnerstag den 4.3., nachdem wir also schon 8 Tage in Benin warten, treffen wir den LKW dann endlich an der Grenze. Alles ist fertig, keine Probleme mehr, es fehlt nur noch eine Unterschrift vom Chef de Brigade (C B). Wo ist er? Niemand weiß es, wann kommt er? Niemand weiß es.
Wir wollten schon wieder zurück zum Hotel, als er auftaucht, unterschreibt - endlich können wir fahren! Am 4.3. um 16.00 !! Ein netter und hilfreicher Zolloffizier muss uns aus Sicherheitsgründen im Auto begleiten. (für 536 Euro)
 

 


Der Transit durch Benin kostet uns zunächst 5,8 % vom gesamten Fahrzeugwert (incl. Ladung). Wir können dies auf 1,1 Mio. CFA (1700 Euro) begrenzen. (Davon wusste in D niemand!)

Unterwegs durch Benin haben wir noch schlechten Dieselkraftstoff erwischt. Der Filter am Wasserabscheider setzte sich immer wieder zu. Die Motor- EDC (Steuerung?) regelt bei fallendem Kraftstoffdruck auf ein Notprogramm, mit dem nur langsam gefahren werden kann. (Aber das muss man erst mal herausbekommen! Wir dachten zuerst an einen Elektronik "Wurm") Andi entwickelt sich zum wahren Schnellmonteur in Sachen Kraftstoffversorgung. Als wir dann alle 70 km den Filter reinigen müssen, lassen wir in Dosso (Niger) den ganzen Tank leeren und säubern und kaufen neuen Diesel. ( 260 Liter ).

Interessant sind die vielen Strassensperren, die Gemeinden in Benin errichten um Geld zu bekommen. Das wirkt nicht besonders gut und sicher! Wir sind sehr froh, den Officer an Bord zu haben.

Insgesamt ist der Transit allein durch Benin sehr teuer! Wir müssen  ca. 1800.- Euro  zahlen, obwohl wir die Warenwerte beim Transiteur so niedrig wie möglich ansetzen.

Die Grenzformalitäten in Malanville (Benin - Niger) sind genauso chaotisch wie an der
Grenze zu Togo. Wenn wir uns normal in die Reihe gestellt hätten, wäre der Vorgang sicher
über mehr als einen Tag gegangen - eine Sonnenbrille mit intensiver Einflussnahme von Eckart auf den C.B. reduziert die Sache dann auf 2 h. Aber Geld kostet dies auch wieder.

In Niger müssen wir auch noch ca. 300 Euro "Eintrittsgebühr" bezahlen. Aghali Alambo,

Frau Seybold und Nina Alschweig holen uns dort ab.

Als wir in Dosso übernachten, in einem sehr heruntergekommenen "Hotel"- das einzige im Ort - bekommen wir miserable, schmutzige Zimmer. Und - wir bemerken erst in Agadez - nachts ist uns vom Lastwagen ein komplettes LKW - Rad von der Pritsche (hinten drauf)  gestohlen worden. Das ist ein Wert von 2 Jahresgehältern von Boukari Adamou, dem Zoll Officer. Wir haben nachts nichts davon bemerkt.

Die Strasse durch Benin und Niger ist insgesamt in gutem Zustand. Nur wenige, dafür aber heftige Schlechtwegstrecken reduzieren unsere Geschwindigkeit wesentlich unter 90 km/h.

Am Zoll in Agadez wird die ganze Ladung inspiziert. Die Zöllner haben besonderen Gefallen an einem kleinen Sack mit Sehbrillen. Ergebnis: es bleiben von 60 Brillen ca. 10 übrig.

Die Präsentation des Fahrzeuges mit Ladung beim Sous - Präfekten von Agadez mit Bürgermeisterin (!) und Polizeichef verläuft ähnlich. Der Präfekt interessiert sich vor allem für Medikamente und deren Verfallsdatum. Bei dieser Gelegenheit verbleibt eine solche Kiste und auch Kinderkleidung bei ihm. Für einen, wie er sagte "persönlich betreuten" Kindergarten. Er ist Haussa in einem Gebiet von Touareg. Er scheint sichtlich enttäuscht, dass für ihn nicht direkt ein Präsent dabei ist. Dass wir für seine Region etwas Gutes tun wollen kommt bei ihm nicht an.

 

 

 

Die verbliebenen Medikamente werden H. Dr. a. Dangana übergeben, der ein Ordentliches Ambulatorium gegenüber dem Haus von Aghali betreibt. Ein Teil der Krücken sind an das regionale Krankenhaus gegeben worden. Die kamen besonders gut an! Die Kleidung ist an Naci Biga zur Weiterleitung an die Schule gegeben worden.


Nach unserer Touristenfahrt durchs Airgebirge fragt der Finanzminister telefonisch bei unserem Freund Aghali Alambo (Präsident  Nomades d' Afrique) an, er müsse ihn dringend sprechen.
Es stellt sich heraus, dass dieser sehr genau über unsere LKW - Aktion Bescheid wusste und diese auch "honorierte".

Wir nehmen den LKW dann noch mit ins nördliche Airgebirge zu den Touareg - Nomaden.
Dorthin, wo der LKW auch "Dienst tun wird". Selbst bis dahin würden wir ohne Allrad nicht kommen!
 


Wir werden dort sehr gebührend empfangen! Mindestens 30 Dorf - bzw. Sippenälteste und  der "Stammesfürst" begrüssen uns unter einer grossen Akazie an einem Brunnen im Erough - Tal.

 

 

 

 


Wir speisen und Aghali erklärt lange den Zusammenhang des Vorganges und die Organisation des Fahrzeuges, die von "Nomades d'Afrique" aus geht.  Diese LKW - Vorstellung wird dann gleich zu einem Arbeitsvorgang: der LKW transportiert 2 Tonnen Mais nach Arlit zum Verkauf desselben.

Es schliesst sich dann noch eine sehr schöne, von Aghali bestens betreute Touristenfahrt durchs schöne Airgebirge mit 2 Landcruisern an.
An 3 Tagen reiten wir auf Kamelen durch baumbewachsene kleine Wadis, die sich durch reines Dünen-Wüstengebiet am Ostrand des Airgebirges ziehen. Im Hintergrund fast 2000 m hohe Berge und auf der anderen Seite die Leere der riesigen Teneré Wüste. Die Ausläufer der "Blauen Berge" - Kobaltspuren färben weißes Quarzgestein bläulich - Inmitten von ockerbraunen Sanddünen bieten sich uns märchenhafte Schlafplätze.



Im Süden des Airgebirges gibt es besonders viel Wasser im Untergrund. Die Brunnen sind z.T. nur 2 - 3 m tief.Dort treffen wir in Wadis - Flussläufe aus dem Gebirge in der Regenzeit - riesige
Gemüse und Obstplantagen an. Auch dieses Gebiet ist nur mit geländegängigem LKW erreichbar. Es freut uns, dass sich die Idee mit dem LKW auch im Süden des Gebirges bestätigt.

Dann endet unsere Reise ins "Unbekannte". Insbesondere finanziell müssen wir jetzt "nacharbeiten".
Es bleiben uns aber unvergessliche Eindrücke mit Menschen verschiedenster Art, in für uns
ganz neuer Umgebung. Mit anderer Politik, anderer Kultur und in anderer Landschaft, die unserer Aktion Sinn geben.

Helmut + Andi Schreck